Du kennst es, ohne es zu kennen.

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„Unsere Welt lässt sich in zwei Gruppen von Menschen aufteilen: Diejenigen, die wissen, was das Baader-Meinhof-Phänomen ist, und diejenigen, die noch nie etwas davon gehört haben. Allerdings gehört die unwissende Gruppe in diesem Moment auch schon zu den Wissenden, da Ihnen das Phänomen vermutlich schon bald wieder begegnen wird.“

Du surfst ein wenig im Internet, um Zeit totzuschlagen. Du schaust dir die neusten Kleider auf Zalando an und findest ein paar Schuhe, die dir so richtig gefallen. Die Marke ist dir unbekannt, dennoch wirst du sie bei nächster Gelegenheit bestellen. In den nächsten Tagen kommt dein bester Freund und zeigt dir genau diese Schuhe auch, während du im Abendprogramm deines Lieblingssenders eine Werbung für dieselbe Marke antriffst. Du findest es fast schon unheimlich, dass diese dir vor ein paar Tagen noch unbekannte Marke auf einmal öfters auffällt. Keine Angst, du fängst nicht an durchzudrehen, du erlebst lediglich das Baader-Meinhof-Phänomen!

Um was geht es beim Baader-Meinhof-Phänomen?

Viele von uns kennen dieses Gefühl, etwas Neues auf einmal viel öfters wahrzunehmen als sonst, und fühlen uns dabei im falschen Film. Es hat fast schon etwas Unwirkliches, doch zum Glück gibt es eine handfeste psychologische Erklärung für dieses merkwürdige Ereignis. Der Mensch ist ein Wesen, welches durch die verschiedenen Sinne viele Informationen aufnehmen und verarbeiten muss. Heutzutage, mitten im digitalen Zeitalter, werden wir dauerhaft von Informationen überschwemmt, da ist es nachvollziehbar, dass der Mensch nicht alles bewusst verarbeiten kann. Wir blenden daher 90% der Eindrücke unseres Alltags aus und lenken unsere Aufmerksamkeit auf kleine, für uns relevante Informationen. Durch diese selektive Wahrnehmung wird unterbewusst alles Wesentliche aus unserem Alltag herausgefiltert. Der „unwichtige“ Rest wird aber dennoch irgendwo in unserem Gehirn abgespeichert. Wenn dann etwas auf einmal unser Interesse erweckt, fangen wir an, den Filter für diese Information aufzuheben. Wir glauben, etwas Neues vor uns zu erkennen und nehmen dies daher auch so wahr. Wir erkennen die Information dann viel öfters wieder und fragen uns, warum dies auf einmal der Fall ist, da wir ja erst kürzlich etwas darüber gelernt haben. Dabei war sie schon seit Längerem als „unwichtige“ Information in unserem Hirn abgespeichert. Es handelt sich bei diesem Ereignis somit nicht um einen Zufall, unser Gehirn täuscht sich einfach selbst!

Warum gerade „Baader-Meinhof“?

In den 1970er Jahren gab es eine linksextremistische Terroristengruppe namens RAF (Rote Armee Fraktion) in Deutschland. Andreas Baader und Ulrike Meinhof waren zwei Personen dieser Terrororganisation und versetzten mit ihren Taten das damalige Deutschland in Aufruhr. Unser psychologisches Phänomen hat aber nichts mit diesen beiden Persönlichkeiten gemeinsam. Naja, nicht direkt.

Der Begriff entstand 1994 in einer Online-Diskussion eines Forums, als eine Person vom Baader-Meinhof-Phänomen zu erzählen begann. Diese berichtete, dass nachdem sie die Geschichte der deutschen Terroristen das erste Mal gehört hatte, überall Artikel über die RAF und deren Mitglieder aufgetaucht sind. Der Namensgeber selbst durchlebte also das Phänomen und benannte es einfach nach den beiden Personen, welche er auf einmal bewusst wahrnahm. Der Ausdruck diente von nun an als Name für dieses Phänomen, welches schon von vielen durchlebt wurde, ohne es richtig erklären zu können. Der Name wurde somit eigentlich aus einem nicht relevanten Zusammenhang gewählt, da es zufällig war, nach was sich die Person informierte. Wer weiss, wie das Phänomen geheissen hätte, wenn sie in unserer heutigen Zeit im Internet recherchiert hätte?

Wenn ihr also das nächste Mal das Gefühl habt, ihr spinnt oder die Welt verschwört sich gegen euch, denkt einfach daran: Ihr erlebt gerade das Baader-Meinhof-Phänomen und euer Gehirn spielt sich einfach selbst einen Streich!

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